Unsere Seereise 2001, Ein Bericht von Manfred Kujath
Verabschiedung im PYC. Nach langen Träumen ist es soweit: 2350 km, über 2oo Schleusen, durch die Havel, Mittellandkanal, Rhein, Hernekanal, Rhein, Mosel, Kanal del'Est, Saronne und Rhone.

Heute, am 3. 6. 2001 gehts los Richtung Sonne und Segeln im Mittelmeer. Man hat schon lange geplant mit Clubkameraden von Sonne, schönen Ankerbuchten und südlichem Flair.
SY "Patrea" hat 3 Wochen vorher abgelegt, und wartet in Trier auf uns. Ausgerüstet mit dem nötigen Kartenmaterial, vollgebunkert mit Proviant und Diesel. Viele Clubkameraden verabschieden uns mit den besten Wünschen, dazu spielt im Hintergrund die "Echo Band" Berlin Seemannslieder, wie sich das gehört. ( 3. 6. 2ool ist Pfingsten und im Club Frühkonzert.)
Pünktlich zur Abfahrt fing es an, wolkenbruchartig zu regnen und zwar eine ganze Woche lang.. Die Crew, Fritz, Horst und ich, verpackt in Ölzeug und guter Laune fahren zuerst durch die Mark Brandenburg nach Werder. In einer kleinen gemütlichen Pinte feiern wir zum zweiten Mal mit einigen Clubkameraden Abschied. Der Regen, der aufs Deck trommelt, weckt uns, nach 3 Schleusen und 62 sm machen wir in Burg fest.

Ober Wolfsburg mit Werksrundgang erreichen wir nach einer Woche Düsseldorf. Ab jetzt geht's richtig zur Sache. Wegen Hochwasser müssen wir uns mühselig gegen bis zu 10 km/h Strom ankämpfen. Das Fronleichnamsfest verbringen wir in Köln. Wir liegen im einem schrecklichen Yachthafen mit hohen, verrosteten Spundwänden und vergammelten Stahlschwimmstegen. Wir besuchen den Dom. Denn heute ist Fronleichnam. Zehntausende Menschen bilden eine Kulisse auf dem Domplatz. Ein großer Chor, begleitet von Trompeten und vielen anderen Instrumenten, musizieren abwechselnd zwischen Predigten vom Domprobst und anderen Oberhäuptern der kath. Kirche, die sich hier in prächtigen Gewändern wie in einer großen Oper profilieren. Um 14 Uhr zieht die Prozession durch die Altstadt. Durch weihrauchgeschwängerte Straßen geht es zum Rhein. Mit hunderten Booten wird übergesetzt, der Rhein ist für den übrigen Verkehr gesperrt. Es geht weiter über Oberwinter, Neuwied nach Koblenz. Für die letzten 13 sm nach Koblenz brauchten wir 9 Std. Durch die vielen Verengungen und Inseln im Rhein ist hier die Strömung besonders heftig. Bei der Ausfahrt aus dem Hafen Neuwied bricht der Kühlwasserschlauch. Ein heftiger Schreck, aber beim ersten Alarm der Kühlwasserkontrolle sind wir wieder am Steg. Wir verkürzen den Schlauch und ab gehts.
Bei der ersten Schleuse auf der Mosel am 18. 6. 2ool erfahren wir vom Schleusenwärter, das die nächsten 10 Schleusen wegen Reparaturarbeiten für eine Woche außer Betrieb gestellt sind. Bei der Auskunft beim DSV wurde hierüber nichts berichtet, also eine Woche Halt beim SV. Koblenz. Viel Radfahren, schöne Gegend inspizieren, Dampferfahrt auf der Mosel, Besuch der Festung Ehrenbreitstein, Deutsches Eck, Bismarkdenkmal und ein Winzerfest in Bad Winningen. Dieser schöne Ort an der Mosel wurde mehrmals ausgezeichnet als schönster Ort mit ihren Fachwerkhäusern.
Am 20. 6. verabschiedet sich meine erste Crew.
Am 22. 6. 2001 besuchen mich die Fam. Stegemann, die hier in der Nähe in ihrem Appartment Urlaub machen. Also , eine Woche ist schnell vergangen.
Am 26. 6. gehts weiter, Inge ist gestern mit dem ICE in Koblenz angekommen. Nach einigen Schleusen kommt Cochem in Sicht. Auffällig die"Reichsburg" mit dem hohen Burgfried aus dem 11. Jahrhundert. Die vielen Sehenswürdigkeiten, z.B. Barockhaus, Kapuzinerkloster aus dem 16. Jahrhundert, die Stadtbefestigung und die Giebelfachwerkhäuser und die ausgedehnte Moselpromenade waren einen Aufenthalt wert. Es geht weiter die Mosel rauf. In jeder Schleife steht eine Burg oder Festung mit ihrer reichen, historischen Vergangenheit.
Am 13. 6. 2001 sind wir in Trier. Diese älteste Stadt Deutschlands weist Baudenkmäler auf, wie sonst in keiner anderen Stadt. Die Stadt wurde als römische Kolonie 15 vor Chr. von Kaiser Augustus gegründet. Direkt hinter der Römerbrücke aus dem 2. Jahrh. stromauf machen wir fest. Hier werden wir empfangen von der Crew der"Patrea" die schon hier früher festgemacht haben. Bei mir steigen neue Crewmitglieder zu. Monika und Martin Rickmann. Ab jetzt fahren wir zusammen, SY"Patrea" und SY"Glory Day" Zunächst besichtigen wir aber die Stadt Trier. Römisches Tor, Porta Nigra,Basilika,. Amphibientheater und den Dom aus dem 4. Jahrhundert..
Weiter gehts an den Dörfern und Städten der Luxemburger Weinstrasse nach Schwebsange. Der einzige Moselhafen für Sportboote in Luxemburg. Die kleinen Weinorte malerisch an den Hängen des Moseltales gelegen, mit ihren verwinkelten Gassen und alten Winzerhäusern eine Augenweide. Die Vignette kann am Oberwasser der Schleuse erworben werden nach Einreise über die Mosel Thionville. Die Vignette kostet 28o DM für 30 Tage, die über das ganze Jahr verteilt werden können. Die Tage zählen nur an den das Boot bewegt wird.
Nach 1 o Std . Fahrt machen wir im ersten französischen Hafen Metz fest. Metz war Hauptstadt und römisches Zentrum im Mittelalter. Die reiche Vergangenheit der Stadt Metz z.B. die Cathedrale Saint Etienne aus dem 13. Jahrhundert mit den Kirchenfenstern von Chagall die meisterhafte Architektur aus dem Mittelalter mit ihren Palästen und ihren englischen Gärten. 43o ha. Grünanlagen ist einer der grünsten Städte Frankreichs. Sie liegt zwischen Mosel und Seille, verbunden durch viele Brücken wie Venedig. Wir bleiben 2 Tage. Der gastronomische Höhepunkt der fränzösischen Küche am letzten Tag in Metz hat alle Erwartungen übertroffen.
Hier wären wir gerne länger geblieben, aber der Weg nach Port St. Louis ist noch weit. Schleusen im Kanal del Est Der südliche Arm des Kanal del Est folgt dem Moseltal bis auf die Höhe von Epinal. Anschließend steigt er in der Vogesenlandschaft bis zu einer Höhe von 360 mtr. Der Abstieg beginnt durch das schluchtenartige wilde Tal des Coney in Richtung Saone. Die Schleusen im Kanal del Est sind genau 38,5 mtr. lang und 5,2o mtr. breit. Hinein passt genau eine Peniche.
Die meisten Schleusen werden mit Muskelkraft bedient.

Martin fährt mit dem Rad auf dem Treidelpfad bis zur nächsten Schleuse und hilft gelegentlich den Schleusenpersonal bei der Arbeit. Nach Ende des deutsch Französischem Krieges 1870/71 wurde der Kanal gebaut. An den Schleusen nagt der Zahn der Zeit. Doch funktionieren sie noch immer gut. Die kleinen Häuser, die zu jeder Schleuse gehören, von den Familien und Angestellten bewohnt ' gleichen sich in Aussehen und Farbe.
Über der Eingangstür Nummer und Name der Schleuse, davor liebevoll angelegte Gärten, Grillvorrichtungen, Kinderspielplätze, kleine Rosenanlagen mit Gartenzwergen, Windmühlen und Kleintierhaltung. Die Schleusenwärter müssen immer mehrere Schleusen bedienen und fahren diese mit dem Fahrrad ab.Hier in Lothringen ist die Arbeitslosigkeit nicht zu übersehen. Leere Häuser, verlassene Fabriken, irgendwie sieht es verlassen , öd und einsam aus. Im Kanal del Est kann man fast überall ankern oder an den Ufern festmachen, meisten liegt die "Glory Day" neben der"Patrea" wegen des Tiefgangs.
Stille Plätze zum Obernachten gibt es reichlich. Die letzte Schleusung ist um 19 Uhr, dann bewegt sich nichts mehr. Bei einem kühlen Bierchen oder Wein im 5 Itr. Kanister von Martin gesponsert genießen wir sechs auf der"Patrea" oder"Glory Day" die Stille und die friedliche Landschaft. Nach den letzten Strahlen der untergehenden Sonne und ein "Klönsnack" über die Tagesereignisse schlummern wir den nächsten Morgen entgegen.
Nach dem Frühstück zwischen 9 und 10 Uhr geht es gemütlich weiter durch die Ardennen. Nach Nomexy und der Schleusentreppe von Epinal mit 15 Kammern schaffen wir heute nach 10 Std. Fahrt 15 sm und machen nach 21 Schleusen in Chaumousey fest Wir fahren oft in einen Tunnel von Grün durch Eden, Birken und Pappeln, zwischen den die Sonne spielt.
In Thielouze verabschieden wir Monika und Martin. Heute am 9. 7. 2001 nach 23 Schleusen liegen wir in einer der angenehmsten Zwischenaufenthalte des Reiseweges, in einer schönen Umgebung vor einem malerischen Einschnitt in Fontenoy le Chateau. Nochmal 10 Schleusen und wir sind in Corr, der letzte kleine Ort am Kanal del Est. Hier findet man alle notwendigen Geschäfte.
Am 11. 7. 2001 Port Sur Saone. Der erste Anleger ein kleiner Ort, Inge fällt beim Übersteigen erst mal ins Wasser ohne grosse Blessuren Die Saone hat eine Länge von 365 km Länge. Von hieraus wird die Saone breiter,zum Teil ist sie kanalisiert, die Landschaft hat das Aussehen einer Weidelandschaft. Nach zwei Tunnel von 680 mtr. Länge und 6.50 mtr. Breite und 7 Schleusen sind wir in Gray, eine Stadt mit 10 000 Einwohner. Zügig geht die Fahrt stromab.

Nächster Stop Anxonne Hier erwartet uns Irene und Dietmar Nippgen für die nächsten 10 Tage. Nach zügiger Talfahrt mit Stop in St. Jean de Losne, Chalon Sur Saone mit dem schönen Sporthafen Macon mit der malerischen Brücke Saint Laurent und dem Stadtkern aus dem 11. Jahrhundert alles beeindruckend mit den ersten Hauch des Süden Macon zählt zu den schönsten Aufenthaltsorten wegen der gastronomischen Seite und der berühmten Weinberge. Reine Lebensfreude strömt aus der Landschaft. Wir nähern uns nun dem Flussabschnift wo die Bewohner der großen Stadt Lyon mit ihren Wochenendhäusern im Grün verborgen immer zahlreicher werden..
Vorbei an Trevoux ehemalige Hauptstadt des Fürstentums Dombes, an die Mäuseturminsel, die uns an den Rhein erinnert. Nach dem Stop am eigenen Anleger des berühmtesten Koch der Welt, Bocouse, Sein Restaurant, ein herrliches Landhaus umgeben von schöner Natur. Dietmar und Irene hat uns als Höhepunkt der Kanalfahrt zum Dinner geladen. Der Meister stand auf einmal an unserer Tafel und wünschte uns guten Appetit. Die schönen Stunden waren für alle ein Gaumengenuss in größter Perfektion zelebriert betäubt vom Duft der Blumenarrangement. Ein unvergeßliches Erlebnis.
Nächster Stop am 18. 07. 2001 ist Lyon mit mehr als 1 Mil. Einwohner ein alter, geschichtsträchtiger Ort an der Saone und Rhone. Hier müßten wir unbedingt die Fahrt für 2 Tage unterbrechen. Die reiche Vergangenheit gotisch, römisch und mittelalteralterlichen Spuren bezeugen dies. Lyon ist auch der Weltmittelpunkt der Gastronomie, verträumte Gassen mit außergewöhnlich schöner Architektur. Wir liegen hier mitten in der Stadt auf der Saone an der Pier ohne irgendwelche Dienstleistungen, aber im Zentrum mit vielen anderen Durchreisenden Am Ausgang der Stadt fahren wir in die Rhone, die erste große Schleuse Pierre Benite.
Wie alle Schleusen die nun folgen 195 mtr. lang und 12 mtr. breit ähnlich der Schleusen wie auf dem Rhein. Nach rauschender Talfahrt mit 15 bis 20 km über Grund, vorbei an Raffinerien und Industie, vorbei an Vienne einer alten römischen Hauptstadt. Unter Hügeln voller Weinberge liegen wir im malerischen Dorf Condrieu, die Sonne wird nun von Tag zu Tag intensiver. Unser Sonnensegel kommt voll zum Tragen. In Andance erinnern 3 Steinkreuze auf Granitfelsen an 3 junge Mädchen, die müde des Wartens auf der Rückkehr ihrer Verlobten von oben in den Fluss stürzten. Hier um km 70 beginnt der kanalisierte Abschnitt der Rhone. Bald taucht ein Felsen aus dem Fluss, der Königstisch.
Der Sage nach frühstückten Ludwig der Heilige, König von Frankreich mit seinem Gefolge auf dem Wege zu seiner Kreuzzüge hier. Die Schlossruine von Crussol auf ihrem Felsen kommt in Sicht. Im ganzen Rhonetal waren die Religionskriege des 16. Jahrhunderts zwischen Katholiken und Protestanten sehr heftig. Auf allen Burgfesten wurden die Steine mit Blut getränkt. Immer wieder tauchen Ruinen auf, wie die von Rochemaure. Kahle Bergzüge der Himmel und auch der Duft künden an , daß der Süden nahe ist.
Die Landschaft wird provencial. Längs am Kanal von Donzere das Atomkraftwerk von Pierrelatte. Nach einer Talschleusung von 26 mtr in der Schleuse von Bollene, ist von Berufsschiffahrt weit und breit nichts zu spüren. Es ist erstaunlich, daß trotzdem viel Wasser für zwei Sportboote bewegt wird. Wir erreichen wieder die Rhone, sehen vor uns den Kanal Caderousse mit dem Riesenatomkraftwerk und ein Elektrohüttenwerk bei Ardoise, vorbei an Burgruinen Mondragon, Moruas und Montfaucon und dem Turm von Hers, bevor wir Avignon auf 241 km erreichen.
Vor der nächsten Schleuse, in 15 km Entfernung kommt der riesige Papstpalast in Sicht. Sieben Päpste lebten hier im 14. Jahrhundert in Folge aufeinander. Hier in Avignon liegen wir unterhalb des Palastes in einem neuen Yachthafen. In der historischen Altstadt umgeben von einer 9 km langen Stadtmauer, alles in hervorragendem Zustand. Wir verweilen hier zwei Tage. Diese reizvolle Fahrt unterbrechung bietet ein außergewöhnliches Kulturprogramm. Von hier fließt die Rhone als breiter Strom. In der Luft hängt der Geruch der Pinien, die nahe auf den Hängen der Hügel Esserts zu Rechten und der Montagnette zu Linken stehen . Langsam fließt jetzt der Strom. Ein massives Schloß, an dessen Fuß man vorbeifährt und unter dem für immer das Ungeheuer der Sage, Tarasque, liegt.
Nach 5 Std Fahrt machen wir in Ades fest, direkt im Herzen der Provence mit dem unvergleichlichen Licht . Hier finden wir zahlreiche Spuren die von seiner reichen Vergangenheit als griechische Kolonie und römischer Hauptstadt zeugen. Arles wurde von Julius Cäsar als römische Kolonie erhoben, in den er seine Regionen ansiedelte. Bauwerke, die von einer 2ooo jährigen Geschichte zeugen, sind von der UNESCO als Weltkulturerbe klassifiziert worden. Z.B. Ampitheater, Arenen, römische Theater und weitere Bauwerke Nach den vielen Eindrücken geht es heute, am 25. 07. 2001 zu letzten Etappe auf der Rhone, bis eine weiße Stadt aus dem Wasser erschein,
"Port St. Louis". Ober die Dächer der Stadt sind Masten und Aufbauten von Frachtschiffen zu erkennen. Das Meer ist erreicht.
Eine andere Welt beginnt jetzt 236o km,300 Motorstunden, 682 Itr. Diesel, über 200 Schleusen später.
Dies also das Resümee der Fahrt vom Wannsee bis zum Golf von Lyon. Nach einer Geburtstagsfete für Inge und Abschied von der "Patrea", sie geht hier ins Winterlager, der Mast steht wieder, legen wir am 30. 07. 2001 ab, und segeln längs der französischen Küste Richtung Spanien. 1 1
Hier geht es weiter zum zweiten Teil des Reiseberichtes im Mittelmeer.
Seitenversion 28.3.2007 (noch unkorrigiert...)