Las Palmas - Gran Canaria - Rio de Janeiro - 3770 SM

Atlantik Seereise im Jahre 1998, Ein Bericht von Manfred Kujath



 

14.11.1989

Ausgangspunkt 12.00 Mittags in Las Palmas. Die Albatros liegt im Hafen von Las Palmas vor Anker, ein Anruf mit dem Handy und schon holt der Skipper Dirk Meyer und mich mit dem Beiboot über.

15.11.1989

Jetzt liegen wir als Gastlieger an der ARC Pier, die ausschließlich für diese Regatta reserviert ist. Aber Manfred Kerstan hat besondere Privilegien in dieser Szene und die Zustimmung von Jimmy Cornell erhalteh, hier liegen zu dürfen, denn all die vielen Plätze sind vergeben. 180 Yachten aus aller Welt sind für das ARC gemeldet.

Heute findet ein Riesenspektakel statt, ca 150 Schlauchboote sind am Start zur Gummikreuzer - Regatta mit allen Hindernissen (Wasserkanonen, Wasserbonben, Schlammschlachten und zwar in verschiedenen Mannschaftskostümen, das ist eine riesen Gaudi!!!

16.11.1998

Unsere Crew ist vollständing, alles gebunkert, 1000l Wasser, 1000 Liter Disel, und Lebensmittel für 5 Wochen auf der Swan 61 mit dem Skipper Manfred Kerstan.

Crew: Dirk Meyer, Jonny Weber, Mathias Wallmark und ich.

Wir legen um 11.00 Uhr ab, Ziel Kapverdische Inseln, Sao Vicente, Ort Mindelo. Nach dem Freikreuzen 220° rechtsweisend - 195° Kk auf der ganzen Strecke, dh - 20° Mißw. und max 5° Abdrift.

17.11.1998

Der Passatwind NE 3-4 ist noch schwach, über 300 qm² Spi werden gesetzt, danach 7-9 kn Fahrt.

18.11.1998

Wetter auf Kurzwelle, NE 4 - 5, also Groß mit Bullentailje und ausgebaumter Fock, teilweise 14 kn Fahrt in einem Stück.

 

22.11.1998

Ankufft in Minado, Gesamtstrecke 950 sm in 6 Tagen und 5 Stunden, 6,3 kn im Schnitt.

 

Müllabfuhr auf Mindalo

Die Insel, die sich vor uns aus dem Meer erhebt, wirkt unbewohnt, mehr noch, wie ein Ort, der sich jeder menschlichen Annäherung widersetzt. Doch grade das macht sie so auf seltsame Weise anziehend und man fragt sich, wie schaffen es die Menschen hier, diesem so lebensfeindlichen Ort, eine dauerhafte Existenz abzuzwingen.

Sao Vicente verdorrt, von grandioser Gestalt. Die schroffen Bergrücken, Geröllwüsten, Trockentäler leuchten in allen Pastelltönen, von rosa über türkis bis ocker, wie von einem Impressionisten getupft. Hier zu leben heißt, Steine auswingen.

1975 wurde Europas ältester Überseebesitz politisch unabhängig von Portugal, und es wird verwaltet, was Kolonialherren hinterlassen haben, ein ökonomisches nichts. 1460 nahmen die Protogisen die damals unbesiedelten Inselgruppen in Besitz und errichteten auf dem für die Atlantikschiffart günstigen Stützpunkt, Afrikas größten Sklavenmarkt.

Das blieb er über 400 Jahre bis zur offiziellen Abschaffung der Sklaverei auf den Kapverden im Jahre 1878.

Yachten machen ihren Landfall üblicherweise in Sao Vicente oder auf Sal.

Sal ist die schwierigste Insel, weil sie sehr hoch ist und bei Dunst leicht außer Sicht gerät und man nicht nahe genug heran kommt, weil es weit vorgelagerte Sandbänke gibt. Alle Navigationshilfen auf den Kapverden sind in notorisch schlechten Zustand. Aber auch in anderen strukturellen Bereichen sind die Kapverden unterentwickelt.

Fischmarkt

Kulturell findet sich überraschend mehr Afrikanisches als Portugisisches. Die Menschen sind freundlich und sehr anhänglich.

Man findet hier so kein richtiges Verhältnis zu dieser Armut, obwohl man im Supermakrt auch alles kaufen kann, was man in Las Palmas bekommt, nur doppelt so teuer; für die Einheimischen ist das Angebot nicht bezahlbar.

23.11.1998 11:00 Uhr

Mindelo Anker auf, Kurs Fernando de Noranha, Passat NE 5 - 6, platt vor dem Laken. 10 - 12 kn Fahrt.

24.11.1998

Etmal 190 sm, Wind NNE 4 - 5

25.11.1998

Wetterbericht für unser Seegebiet, E 4 - 6, 215 ° Kompaßkurs tropischer Wirbelsturm Nicole mit 75 kn Wind, 500 Seemeilen nördlich unserer route, 1 Mastbruch mit Verletzten bei der ARC Regatta.

26.11.1998

Nicole hat sich bis auf 30 kn beruhigt, Etmal 185 sm, 4 - 5 E.

27.11.1998

12.00 Uhr, 180 sm Etmal, Wind ESE, in der Nacht Tropenschauer, leicht auffrischend. Noch 5.5° bis zum Äquator, ab 23.00 Uhr, Flaute, motoren, 23.30 Uhr Motor aus, Wassereinbruch im Schiff. Elektrische Seewasserpumpe defekt, Membran aufgerissen, nach Entdecken des Schadens Seeventil zu, Handpumpe in Betrieb gesetzt, aber das Wasser nahm nicht ab. Eine fürchterliche Dünung, man kann nicht glauben, was alles so klappert und scheppert an Board, im Nu sind alle Bodenbretter aufrechtgestellt, und es sind einige auf so nem Swan. In diesem Chaos entdeckte der Skipper eine zweite undichte Stelle, es ist die Stopfbuchse, weit unter der Maschine, ein idealer Platz, denn darüber ist noch der Generator, hier sind 40°-50° Wärme, das Wasser hat 28°, ein Schauer jagt den anderen. An motoren ist zunächst nicht zu denken und so dümpeln wir dahin.

28.11.1998

Etmal 130 sm, 18.00 Uhr, 3,23 N, 29,15W. Wieder Wind, SE 5-6, Mitternacht, sternklare Mondnacht. Ich hatte grade Wache und saß am Ruder, als ein Vogel mit seinen Krallen auf meinem Kopf landet. Ein Schreck ging durch meinen Körper, der Vogel hat sich warscheinlich genau so erschrocken wie ich, er setzt sich dann aber vor Schwäche auf unser Beiboot. Ein zweiter Vogel, 1 Meter Flügelspannweite, umkreiste ständing unser Schiff, 4 Stunden lang, immer um den Mast herum und dann von achtern im Sturzflug über unsere Köpfe. Diese Vögel kamen wahrscheinlich von der Vogelinsel St. Paul, die wir 30 sm querab passierten.

29.11.1998

Wind hat auf SSE 6-7 gedreht und zugenommen. Gegen 23.40 Uhr überquerten wir den Äquator und nehmen einen Drink, an eine Äquatortaufe ist nicht zu denken. Die Brecher kommen mit riesigen Bergen und Tälern auf uns zu, wir fühlen uns wie beim Rodeo.

30.11.1998

Groß und Fock stark gerefft, immer noch 32 kn Wind, laufen um die 10 kn.

1.12.1999

8.50 Uhr gehen wir vor Anker bei der Insel Fernando de neroch, Brasilien, 250 sm vor Recife, 3°, 50'S, 37°, 5'W, 1430 sm in 180 Stunden.

Fernab, 250 sm, vom brasilianischen Festland liegt die Inselgruppe, die einst das Paradies für Darwin war und heute eines für Taucher geworden ist. Das Atoll ist nur 8 km lang, ein biologisches Reservat, so dass es nicht ohne Erlaubnis angelaufen werden darf, noch bevor wir die erste Bar erreichten, wurden wir von einem Polizisten gestoppt. Seit 14 Tagen durften wir dieses Naturschutzgebiet nur mit einem Visum betreten und dieses erhält man in Recife oder in Salvador. Na, so ein Pech, aber nach einigem Palavern dürften wir im Hafengelände bleiben und ließen uns in der Hafentaverne aus Blech und Stroh mit einem Lobsteressen den typischen brasilianischen Drink - Calparinas - verwöhnen.

Um 16.00 Uhr auf nach Salvador, 662 sm, SE 5, leicht bewölkt.

2.12.1998

SE 5, 8-10 kn Fahrt.

3.12.1998

210 sm Etmal, 4-5 Wind SE

4.12.1998

Wieder über 200 sm Etmal, stellenweise 12 - 13 kn vor dem Wind. Heute auf dem 11° Breitengrat S findet die Äquatortaufe statt. Der Skipper begrüßt im guten Zwirn die 3 Tauflinge mit Champagner, einigen Floskeln im Sinne der seemanschaft und mit 3 Eimern südlichen Atlantikwasser, dass über unsere Köpfe fließt.

5.12.1998 Sonntag 11.15 Uhr

Genau 1 sm vor der Hafeneinfahrt Salvador. Qualm aus dem Motorrraum, Maschine aus. Die Antriebswelle vom Kühlaggregat hat sich festgefressen, Flock wieder etwas raus und mir gehen mit Segel im Hafen vor Anker.

Keine ausländischen Selgelyachten liegen hier, nur vergammelte einheimische Schiffe und viele Fahrgastschiffe für Rundfahrten aus Holz, sehr einladend sieht es hier nicht aus. Nach 3 Stunden mußten wir den Platz wieder räumen, hier dürfen auschließlich Fahrgastschiffe liegen. Wir gehen im Hafen hinter einer riesigen Bastion vor Anker. Diese wurde ursprünglich gebaut, um englische und holländische Invasoren abzuwehren.

Salvador de Bahia, die erste Hauptstadt Brasiliens, fasziniert durch ihre auf einem Hochplateau gelegene Altstadt mit zahlreichen Kirchen und Klöstern aus der Kolonialzeit. Als die portugisischen Seefahrer 1501 die Küste des unentdeckten Landes entlang segelten, sießen sie auf Höhe des 13' Breitengrades auf eine wunderschöne Bucht mit einer vorgelagerten Insel. Es war der 1.11. und sie nannten diesen Ort "Allerheilige Bucht". Jahre später errichteten die Siedler auf der Landspitze am Eingang der Bucht die erste Niederlassung mit dem namen "Pereirg".

Junge in Salvador

Da der Zuckerrohr in der "Capitania Bahia de Todos" gut gedie und die Stadt sich zu einem wichtigen Verwaltungs- u. Geschäftszentrum entwickelte, macht die portugisische Krone den in Salvador umbenannten Ort am 21.3. 1549 zur Hauptstadt Brasiliens. Dieser Ort ist auf das engste mit der Geschichte der Sklaverei verbunden. Im 16. Jahrhundert begannen die Portugisen damit, Afrikaner nach Südamerika zu verschleppen, um sie dort als Sklaven zu verkaufen. Die katolische Kirche erklärte sich mit diesem Menschenhandel unter der Voraussetzung einverstanden, dass alle Sklaven den christlihen glauben annahmen. So kam es, dass die Verschleppten nach ihrer Ankunft zwar sofort getauft wurden, aber im Gegensatz zu denh Indianern, die durch die Jesuiten missioniert wurden, keinerlei Unterweisungen in der christlichen Lehre erhielten. Sie bleiben zumeist ihrer afrikanischen Religion und ihren Götter treu.

Salvadur hat ein spezielles Fluidum. Vielleicht ist es die Mischung der unterschiedlichsten Kulturen, die hier besonders deutlich werden. Salvador gehört zum Bundesstaat Bahia. Dieser Bundesstaat hat den größeten Anteil schwarzer Menschen in Brasilien.

6.12.1998

11.30 Uhr, SE Passat 3 - 5, Anker auf, Kurs Rio!

7.12.1998

210 sm Etmal, Wind dreht auf E und Welle aus N, eine schöne Schaukelei, es scheppert an allen Enden.

8.12.1998

18°, 36,5', 38° 40' E, 160 sm Etmal, NE leichte Dünung, 5 riesige Wale, ca. 20m lang, tauchen neben uns auf.

9.12.1998

Wind dreht auf N, Kurs 215°, 18.00 Uhr, Wind NE 6 - 7, segeln platt vor dem Laken mit 12 kn Fahrt, noch 79 sm bis Capo Frio querab.

10.12.1998

Etmal 220 sm, NE, 14.00 Uhr, Wind auf West gedreht und schläft ein. Die Dünung ist enorm. Wir motoren bis 23.45, dann fällt der Anker in der Bucht am Zuckerhut.Eine herrliche Kulisse im Lichterganz. Jetzt erstmal einen Drink bei 35° und hoher Luftfeuchtigkeit.

Rio de Janeiro. Sieben Tage brauchte der Herrgott, um die Welt zu erschaffen, zwei davon allein für Rio. Die Schönheit der Landschaft muß auch den portugisischen Seefahrer, Andre Gongalves beeindruckt haben, als er am Neujahrstag des Jahres 1502 mit seinem Schiff in der Bucht von Guanaba einlief und glaubte eine Flußmündung entdeckt zu haben. Deshalb nannte er den Ort "Januarfluß" auf portugisisch "Rio de Janeiro". Zu dieser Zeit lebten hier etwa 3000 Tamagio Indianer, deren Sprache den heute berühmten Ortsnamen überlebt hat, z.B. Copacabana - klares Wasser. Anfang des 20. Jahrhunderts hatte Rio bereits 1,6 Mio. Einwohner, heute sind es ca. 16. Mio. Rio übt immer eine große Anziehungskraft auf die brasilianische Landbevölkerung aus. Seit Jahrzenten strömen die Menschen, in der Hoffnung auf arbeit, in die zwitgrößte Stad des Landes. Die meisten landen dann in den sich rasant ausbreitenden Elendsquartieren, den "Favelas". Favela ist die Bezeichnung für eine Wildblume, die auf dem Hügel wuchs, auf dem sich die ersten freigelassenen Sklaven niederließen.

Mehr Photos vom Carneval in Rio im Jahr 2007

11.12.1998

Am nächsten Morgen liegen wir vor Anker in der schönsten Bucht vor Rio, zwischen Zuckerhut und der steinernen, riesigen Christusfigur, 32m hoch. Sie steht auf dem Berg Corcovado, 780m hoch und dann kommt die Ernüchterung. Das Wasser ist dreckig, es stingt wie im Klärwerk, so viel Wassser, aber man kann darin nicht baden, bei fast 40° Hitze, es ist ein Hohn!!!

Mein Skipper und die Crew stellen sich im Yachtclub Rio de Janeiro vor. Man machte uns klar, dass wir hier nicht willkommen sind, und so blieben wir vor Anker liegen.

Manfred Kerstan stellte fest, dass der Yachtclub Rio de Janeiro Mitveranstalter der "Regatta Kapstatt - Rio de Jananeiro" ist, die er ja auch mitsegeln möchte.

Also ging er wieder in das Clubsekreteriat. hier machte man ihm klar, dass könne jeder sagen und wir hätten von unserem Heimatclub nicht avisiert. Also wieder nichts. Da blieb uns nichts anders übrig als ohne Erlaubnis, weil anders nicht möglich, das Beiboot im Yachtclub anzuketten; es ist hier so üblich, um an Land zu kommen. Am nächsten Morgen kam eine Barkasse vom Club längsseits, der Skipper möchte sofort ins Sekreteriat kommen. Hier wurde ihm klar gemacht, dass wir das Clubgelände nicht betreten und auch das Beiboot nicht festmachen dürfen. Wir haben diese "Gastfreundschaft" ignoriert und trotzdem jedes mal das Beiboot, weil keine andere Möglichkeit vorhanden war, festgemacht.

viel Wäsche soll gegen Piraten helfen - sieht nach überlegen großer Crew aus

Es gab aber noch einige andere Unannehmlichkeiten in Rio. Mor wurde im Bus, von mir unbemerkt, der Reisepass aus der Hose gezogen, und nach meiner Abreise am 18.12. wurde der Skipper von einer Gang am Christusberg überfallen, festgehalten und im seine Geldbörse mit Kreditkarten und Geld abgenommen, und das schlimmste: 2 Tage später wurde sein angekettets Beiboot mit Außenborder von der albatros gestohlen.

 

heiss geht es her in Rio

Unser Skipper segelt in den nächsten Tagen weiter über Uruguay - Buenos Aires / Argentinien, 1200 sm, nach Buenos Aires - Kapstadt nochmals 4100 Seemeilen, bestimmt nicht so gemütlich und man muß schon sehr gerne segeln, um solche Strapazen auf sich zu nehmen.

 


Zusammenfassung