Unsere Seereise 2003, Ein Bericht von Manfred Kujath

Wir sind wie immer eine Runde von Seglern, die sich für die kommende Saison vorbereiten, diskutieren über viele Varianten, das Ergebnis:Christa und Werner Buhtz mit ihrer Rubin und Inge und ich mit unserer Glory Day beschließen Richtung Norden zu segeln. Wir haben 3 Monate Zeit eingeplant und wollen nun die Sache in Ruhe angehen, das heißt Vorbereitungen sind zu treffen.
Ca. 200 Seekarten, diverse Hand - und Hafenbücher sowie Bücher über Ankerliegeplätze in den Schären usw. Nun noch reichlich bunkern, Grundnahrungsmittel und Getränke, die lange Liste möchte ich hier im Einzelnen nicht erwähnen, es kommt reichlich zusammen, denn der Norden ist teuer.
Am 03.06.003 legen wir bei schönstem Wetter in Berlin unter Motor ab, zunächst durch die Kanäle bis Marina Marco in Stettin.
Am 05.06. segeln wir bei leichter, raumer Brise nach Swinemünde.
Am nächsten Tag um 6.00 morgens, weil der Wind so günstig ist, NW 5-6 , im Groß ein Reff, liegt Kurs Bornholm an. Nach 11 Stunden machen wir in Neksö fest, es war eine schnelle Überfahrt bei schönstem Wetter. Es ist noch Vorsaison, der Tourismus beginnt hier erst Ende Juni, dadurch sind noch reichlich Liegeplätze vorhanden. Es sieht hier noch alles sehr ruhig und verlassen aus, aber wir fühlen uns wohl, segeln weiter nach Gudjem, hier sollte man sich Zeit nehmen. Wir verweilen 3 Tage, genießen die angenehme Wärme holen die Fahrräder raus, radeln durch die schöne Natur, machen halt bei vielen Sehenswürdigkeiten und gemütlichen Kneipen, uns geht es richtig gut.

Am 10,06 nehmen wir Kurs zur unserer Lieblingsinsel Christiansö. Die Vergangenheit der Inselgruppe war nicht sehr ruhmreich, denn seit 1725 wurde die Festung Chistiansö als Deportationsort für Gefangene verwendet. Lebenslängliche wurden Sklaven oder „Eiserne“ genannt. Ihre Zwangsarbeit bestand im Sprengen des Granites für die Festungswerke. Der letzte Eiserne, starb nach 40 Jahren in Ketten. Heute steht die kleine Inselgruppe mit seltenen Vögeln und anderen Tieren unter Naturschutz und es gibt andere Katastrophen. Wir werden Zeugen, 200 Mann in Ölzeug und Gummistiefel kämpfen mit Ölsperren gegen diese zähe Masse an, versuchen dieses Paradies zu retten. Wieder mal stieß ein Tanker mit einem Frachter bei schönstem Wetter vor der Küste Schwedens bei Käseberger ca. 20 Seemeilen NWlich von hier zusammen. Der Frachter versank mit 80 Tonnen Diesel. Nach einem Stop auf Utklippan machen wir bei schönstem Wetter an einer Heckboje in Kalma fest. Hier warten schon Segelfreunde von Chista und Werner mit Ihrer Moodi 39 auf uns. Ein gemütliches Beisammensein bei Ursula und Klaus auf der Moodi. Bei Wein und kulinarischen Genüssen verrennt die Zeit wie im Fluge.

Mit 3 Yachten geht es nun weiter über Borgholm, Ernemar und von hier aus unter Maschine durch die Schwedische Schären nach Figeholm. Weil es hier so schön ist und in 3 Tagen ein großes Mittsommernachtsfest stattfindet, beschließt die Crew der Rubin und der Moodi 39 bis Mittsommernacht hier zu bleiben. Wir sind etwas ungeduldig, weil der Weg noch so weit ist, und legen ab nach Sparö eine Insel in den Schärengarten. Neben uns ankert eine Najad 39, mit der wir schon in Utklippan Kontakt hatten, "Ilse und Hermann". Die beiden hörten, dass wir nach Estland segeln wollen, fragten uns, ob sie sich anschließen dürfen, sie trauen sich noch nicht in diesen unbekannten Regionen alleine zu segeln. Aber herzlich gerne, wir haben auch keine Ahnung, was uns da erwartet, und so segeln wir die nächsten 5 Wochen gemeinsam in vielen unbekannten Terrains mit etwas mehr Sicherheit für beide Crews.
Am 20,06 machen wir an einem Steg im Arkosund fest, es regnet in Strömen, es ist kalt und wenig Sicht. Der Ort ist sehr hübsch mit mehreren Yacht- und Fischerhäfen mit div. Geschäften und Gaststätten. Nach 2 Tagen hört es auf zu regnen, wir legen ab nach Nynäshamm, ein kleiner Ort mit Bahnstation, mit dem Zug ist man in einer Stunde in Stockholm.
Am 23.06 bis 24.06 liegen wir auf der Insel Örne in einer wunderschönen Naturbucht, sie ist total geschützt, wegen Sturmwarnung 7-8 vor Anker. Es ist saukalt und es regnet ohne Pause, es pfeift in Masten. Wir sitzen unter Deck bei Tee mit Rum und warten auf besseres Wetter.
Am 25.06 der Tag ist sonnig, segeln mit einen Anlieger bei 4-5 weiter Richtung Norden. Nach 9 Stunden fällt der Anker in der Blidöbucht, sie ist wunderbar geschützt, mit einem malerischen Umfeld . Welche Erinnerungen diese Bucht weckt, wir denken an den vergangenen Sommer an jede Menge Sonne und schwimmen im warmen Wasser im Mittelmeer. Die Sonne strahlt heute besonders lange und es ist das Licht, das die Künstler inspiriert.
Mit gerefften Segeln geht es heute am 26.06 nach Mariehamn zu den Älands, das sind 51 Seemeilen. Die Älands und Finnland gehörten eins zum russischen Zarenreich. Mariehamn wurde 1861 gegründet.Marie, die Gemahlin von Zar Alexander der Zweite, verlieh der Stadt ihren Namen. Wir liegen in dem neuen Yachthafen, vor dem Museumsschiff Pommern, die in diesem Jahr, das einhundertjährige Jubiläum feiert.
Am 28.06 segeln wir weiter, gehen bei der Insel Nöto vor Anker, machen im Hafen von Dergerby fest.
30.06 nach 57 Seemeilen gehen wir bei der Insel Brännkar vor Anker, es ist saukalt, wir segeln in Winterausrüstung.
Am 01.07 sind wir in Hankö, Finnlands südlichste Stadt. In den Sommermonaten ist die Stadt ein beliebtes Reiseziel, heute ist wieder ein schöner Tag. Die Sonne lacht, wir besuchen Kunstgalerien, lokale Handwerkergeschäfte und enden wieder in einem gemütlichem Straßencafe.
Am 03.07 machen wir die Glory Day auf der Insel Ströme an einem Baum fest, neben uns Ilse und Hermann mit ihrer Najad. Ein sehr ruhiger Platz bei 25 Grad und Sonne, einfach schön.
04.07 wieder ein schöner Tag, wir segeln bei leichter Brise unter Spinnacker nach Helsinki, machen in Sveborg unterhalb der Festung in den Yachthafen fest. Die Stadt Helsinki war Zeuge vieler Veränderungen, seit sie 1550 vom schwedischen König Gustav Wasa an der Mündung des Flusses Vantaanjoki gegründet wurde. 1812 wurde Helsinki die Hauptstadt des damaligen russischen Großfürstentums Finnland und 1917 Hauptstadt der unabhängigen Republik Finnland. Wir bleiben 3 Tage hier, besuchen die Sehenswürdigkeiten der Stadt , mit einer Stadtrundfahrt endet die Tour durch Finnland.
Am 07 .07 melden wir uns beim Zoll ab und nehmen Kurs nach Tallin, Estland. Wir verlassen nach einem Wirrwarr von Leuchttürmen und Untiefen die Finnischen Hoheitsgewässer, setzen bei leichter Briese den Spinnacker und segeln nun durch den Finnischen Meerbusen, durchkreuzen bald die Zwangswege der Großschifffahrt von Petersburg zur Ostsee . Mit großer Geschwindigkeit ziehen massenweise Frachter und Tanker vorbei, in einem Zwischenraum segeln wir mit unserem Spi hindurch, die Wellen lassen die Segel mächtig schlagen, nach einem kurzen Moment ist wieder Ruhe im Schiff und die Fahrt geht friedlich weiter. Wie wir hörten sind Anfang Mai hier noch die Eisbrecher gefahren um die Wasserstraßen eisfrei zu halten, heute bei 25 Grad unvorstellbar. Bald kommt die Insel Naissaar in Sicht es sind noch 20 Seemeilen bis Tallin. Nach 10 Stunden und 51 Seemeilen machen wir im Olympiahafen beim Zoll fest ,sind überrascht über die zügige Abfertigung beim einklarieren. Hier liegen ca. 300 Yachten davon 200 aus Finnland, uns wird bald klar warum, die vielen Getränke- und Supermärkte sagen alles, hier wird preiswert eingekauft. Tallin, dank der Unesco-Liste des Weltkulturerbes steht die prächtige Altstadt mit ihren mittelalterlichen Gassen heute unter wirksamen Schutz. Ein Rundgang durch die 800 Jahre Altstadt mit den kleinen Gassen, Galerien, Straßencafes und Gaststätten hinterlässt viele Eindrücke. Die Deutschen, die viele Jahrhunderte Estland verwalteten, benannten die Stadt Reval. In der Zarenzeit, als Estland zum russischen Imperium gehörte, wurde aus Reval – Tallin, die Esten haben ihre Stadt Tallin so benannt, abgeleitet aus der dänischen Bezeichnung Castorum Danorum (Festung der Dänen) was auf estisch Tallin heißt. Von den 1,5 Millionen Einwohnern leben 500.000 in der Hauptstadt. Wir bummeln durch die Oberstadt auf dem Domberg, die mächtige Burg mit dem Festungsturm Langer Hermann bilden das Wahrzeichen der Stadt. Wir besuchen die orthodoxe Alexander-Newski- Kathedrale und die Domkirche aus dem 13. Jahrhundert. Wir überlegen, welchen Kurs wir nun einschlagen wollen. Kommen zu dem Entschluss, auch Lettland zu besuchen.
Wir tanken für 45 Cent, kaufen noch Seekarten zum halben hiesigen Preis und legen 09.07 ab nach Lohusala, immer mit Distanz an der Küste entlang. Ein neuer Yachthafen ist hier entstanden mit allen Annehmlichkeiten wie Wasser, Strom, Dusche und Gaststätte. Hier findet man nur pure Natur, Wald, einen langen weißen Strand mit einem verrosteten Wrack und ein Paar einsame Seevögel. Wir verabschieden uns von dem witzigen Hafenmeister, der in seiner alten Marineuniform in dem neuen Aussichtsturm seine wichtigen Pflichten in Form von Stempeln der Bootspapiere, mit dem Fernglas die Gegend absucht und wichtige Ereignisse unverständlich mit uns diskutiert. Mit dieser neuen Erkenntnis stechen wir wieder in See. Das Wetter ist heute nicht so einladend . Ein schwerer Himmel, dunkle Wolken ziehen Richtung Süden mit 4-5 genau unsere Richtung. So machen wir gute Fahrt, vorbei an der Insel Vormsi, wieder an einer Ansteuerungstonne für ein Peilfeuer, es ist Kurswechsel angesagt, wegen der Untiefen, dann fehlt eine Tonne, in unserem GPS sind die Wegepunkte gespeichert, so haben wir keine Probleme mit der Navigation, nur man muss sehr aufmerksam sein, die See ist selten tiefer als 3 m. Es kommt Haapsalu in Sicht nach 48 Seemeilen, das Fahrwasser ist verdammt eng, die vielen Peilfeuer bestimmen den Kurs, ich dachte, ich fahre durch eine Wiese, rundum alles grün,dann kommen jede Menge verrostete Fischerboote in Sicht und ein Wirrwarr verrotteter Hinterlassenschaften an Land ,was eher einem Schrottplatz als einer Marine ähnelt. Eine Ankündigung bei den Behörden über UKW kurz vor dem Einlaufen ist zur Routine geworden. Dabei spielt es keine Rolle, ob tatsächlich ein Zoll- oder Grenzbeamter erscheint. Registriert wird die Anmeldung auf jeden Fall. Wir motoren nun durch ein enges betonntes Fahrwasser und sehen Masten, der Yachthafen kommt in Sicht. Wir liegen recht gut in diesem bescheidenen Hafen. Am nächsten Tag nach 30 Minuten Fußmarsch sind wir in der Altstadt, sie präsentiert sich sauber und aufgeräumt, viele Häuser sind renoviert und frisch gestrichen. Wir besuchen die Bischofsburg, den Dom, Galerien und kehren schließlich in einem gemütlichen Cafehaus aus Omas Zeiten ein, für 2 Kännchen Kaffee und 2 Stückchen Torte zahlen wir 1.65 Euro umgerechnet. Dieser Seekurort ist seit der Zarenzeit ein beliebter Bade und Kurort.
Am 12.07 verlassen wir den Hafen und wollen nach Virtsu. Das Fahrwasser ist gut betonnt, nach vielen Kursänderungen kommt die Insel Muhu mit einem riesen Peilfeuer in Sicht. Ein von dichten Wäldern bedecktes Eiland. Wir sind fast am Ufer, dann folgt die nächste Peilung 90, Grad nach backbord, es steht auf der Insel Kessulaid. Wir legen nach 37 Seemeilen in den vernachlässigten Fährhafen an. Eine Holzfabrik stößt ätzend dicken Qualm aus, riesige Holzstapel säumen die Hafeneinfahrt. Fischerboote der ehemals großen Flotte liegen fest vertäut am Kai, überall wird geschweißt und gehämmert, die Boote haben neue Eigner gefunden und werden instand gesetzt, sehen aber danach genau so aus wie vorher.
Nächster Morgen wir ziehen den Spi hoch, vor uns nun eine fast freie See ohne Hindernisse. Unser Ziel heißt Pärnu. In den gleichnamigen Fluss laufen wir nach 9 Stunden unter Segel ein, der Strom ist rötlich gefärbt. An den Kais wird Holz auf Seeschiffe verladen, es herrscht reger Betrieb. Der Fluss macht eine Krümmung und der Yachthafen kommt in Sicht. Ein äußerst renommierter Yachtclub mit allen Extras ausgestattet. Pärnu ist die Sommerhauptstadt von Estland. Nächster Tag, wir holen Fahrräder raus und radeln durch die lebendige Altstadt, durch den schön angelegten großen Park und schließlich zum Strand ,hier tummeln sich Tausende von Badegästen. Seit 2001 weht am Strand die blaue Flagge, ein Qualitätszeichen für reines Wasser und saubere Luft.
Am 15.07 wir klarieren in Estland aus setzen bei NW 3-4 und schönstem Wetter den Spi ,nehmen Kurs Lettland nach Salagriva. Nach 47 Seemeilen laufen wir in den Fluß Salaca ein ,an der Mündung kommt eine Fischfabrik ,mit einigen dazu gehörigen Gebäuden in Sicht. Wir melden uns über Funk beim Zoll an, sehen vor uns einen neuen Steg mit einem Segler aus Lettland ,wir machen daneben fest 10 Minuten später kommt der Zoll, wir sollen den Zollbeamten mit unseren Papieren folgen. Ilse und ich folgen ihm im gestrecktem Galopp, durch eine Tür in einem abgesperrtem Gelände, durch ein großes Haus, um den großen Fischereihafen herum und schließlich an der Mündung des Flusses zu einem altem Backsteinhaus in der zweiten Etage . Nach zehn Minuten sind wir mit einigen Stempeln auf unseren Papieren wieder draußen ,sollen uns nur am nächsten Morgen über Funk wieder abmelden ließ er uns wissen .Der Hafenmeister kommt mit seinem Sohn ,freut sich über die ausländischen Yachten ,kommen ins Gespräch ,erfahren vieles.
Am nächsten Tag ,bei viel Sonne und Wind um 4 legen wir ab zu unserem Höhepunkt der Reise nach Riga. Nach 11 Stunden unter Spi sind wir 57 Seemeilen gesegelt , laufen nun in den großen Fluß Daugava ein der uns mit einem Strom von ca. 2 Meilen entgegen kommt Wir motoren vorbei an den Industie-Handels und Fährhafen ,nach weiteren 9 Seemeilen legen wir in den modernen Yachthafen Adrejosta ,in Stadtmitte an. Seit 1991 ist Riga wieder zur Hauptstadt des unabhängigen Lettlands geworden , Sie ist die größte Stadt in den baltischen Ländern mit rund 800.000 Einwohnern.- Inge lebte bis zu ihrem 14. Lebensjahr in Riga.Wir hatten uns vor 3 Tagen bei Inges Verwandtschaft telefonisch angemeldet ,Inges Cousin ,Frau , Tochter und Sohn .In den letzten 40 Jahren, sehen sie sich heute zum zweiten Mal, die Freude ist groß .Die Familie ist doch sehr erstaunt ,daß wir es wahr gemacht haben ,sie mit unserem Segler zu besuchen. Sie waren noch nie auf einer Yacht , sind sehr interessiert an Technik und Ausrüstung .Es gibt viel zu erzählen auf letttisch, englisch und deutsch, die Verständigung war doch sehr passabel und aufschlußreich . Wir besuchen natürlich die Sehenswürdigkeiten der Stadt ,sind fasziniert über das große Kulturerbe die schöne Architektur und Kunstdenkmäler. Am meisten beeindruckt haben uns 6 riesige Zeppelinhallen, die vor den Krieg gebaut wurden doch nie zum Einsatz kamen ,das sind heute die größten Markthallen Europas mit 6000 Beschäftigten .- Wir werden noch zweimal bei der Familie eingeladen ,lernen auch noch eine 82 jährige Tante kennen die fließend deutsch spricht und die Vergangenheit wird wieder lebendig .
Am 20.07 legen wir in Riga ab ,bei uns der 16 jährige Sohn Kaspar, er möchte unbedingt eine Etappe mitkommen. Wir nehmen Kurs nach Märsrags ca 40 Seemeilen ,Ilse und Hermann sind gestern schon vorgesegelt und wir sind hier verabredet. Es weht SE also halber Wind , wir machen gute Fahrt . Nach 7 Stunden kommt Märsrags in Sicht , gleichzeitig kommt eine Sturmwarnung über das UKW und es klingelt das Handy , Hermann ist dran ,er ist heute morgen geflüchtet aus den Hafen wo wir verabredet waren, er wäre zu trostlos ,zu laut und zu dreckig und nicht für Yachten geeignet, wir sollten doch gleich nach Roja durchsegln also noch einmal 20 Seemeilen. Nun wird es auch schon pechschwarz vor uns ,es blitzt und donnert ,die Fock ist eingedreht im Groß zwei Reffs eingebunden ,rundum keine Sicht mehr.Der Windmesser zeigt 50 Knoten an ,Kasper wurde immer blasser und ruhiger ,er sitzt mit Inge unter Deck und ich stehe draußen im Regen ,es schüttet wie aus Eimern, der Wind ist beängstigend ,das ganze Schiff vibriert ,es blitzt und donnert genau über uns ,Nach einer Stunde ist der Spuck vorbei und wir segeln wieder mit dem Spi. nach Roja .Roja, so heißt auch der Fluß in dem wir jetzt einlaufen ,vorbei an riesige Holzstapel, diversen Holzfabriken und einer großen Fischereiflotte, hinter all dem kommt ein kleiner neuer Yachthafen in Sicht.Ein netter Hafenmeister kommt uns besuchen ,zeigt uns das neue Servicehaus mit Duschen und Toilette und freut sich darüber Segler mit fremder Flagge zu sehen ,wir kommen so ins Gespräch ,daß er den Zweck des Besuches völlig vergessen hatte ,sicherlich war auch der Wodka daran Schuld. .

Am nächsten Morgen am 21.07 verabschieden wir Kaspa .Bei 30 Grad und Nördlichen Winden 3-4nehmen wir Kurs nach Venspils. Nach 12 Stunden und 73 Seemeilen laufen wir in den großen modernen Hafen ein .Nach 600 Meter winkt aus einem Turmähnlichem Haus der Mann vom Zoll, zeigt nach rechts und wir sehen ein anderes Hafenbecken mit Fischerbooten , eine große Werft und am Ende sehen wir den Yachthafen. Die gesamte Stadt war bis vor zwölf Jahren von Industrieabgasen so stark belastet, daß Kinder zeitweise nur mit Atemschutzmasken vor die Tür gehen dürften .Heute ist Ventspils frisch herausgeputzt, und am kilometerlangen weißen Sandstrand weht die blaue EU-Umweltfagge .Wir gehen baden, das Wasser hat angenehme 24 Grad und wir genießen Sonne und Strand . Nächster Tag, wir sind in der Altstadt auf den Markt, kaufen 2 Liter Pfifferlinge , 1 Liter Blaubeeren und Diverses Frisches alles in Litern statt Gewichten, solche Art zu messen war mir nicht bekannt.
Nachdem wir wieder gut versorgt sind ,klarieren wir beim Zoll aus und legen am nächsten Morgen am 23.07um 5.00 Kurs Gotland ab. Die heftige Kreuzsee die sich in der Nacht aufgebaut und uns mächtig zuschaffen machte ,legte sich nach 2 Stunden so wurde es noch ein phantastischer Segeltag bei NW 3-4. Der goldene Sonnenuntergang stimulierte Lebensfreude ,wir freuen uns wieder Neues zu entdecken den Färesund , dieser war vor 1990 Militärgebiet und für Ausländer gesperrt . Wir segeln im dunkeln durch den gut befeuerten Sund , lassen den Anker nach 100 Seemeilen um 23.00Uhr fallen und genehmigen uns einen Drink .Morgens kommt der freudliche Zoll ,legt längsseits mit seinem großen Beiboot bei uns an. Die Papiere werden ausgetauscht ,ein Anruf nach Schengen, ein wenig Schreibkram und wir sind wieder Schengender Bürger. Wir verlegen uns in den niedlichen Färesundhafen auf Gotland, holen unsere Fahrräder raus, lassen uns nichts von der 8000 – jährige einmalige Geschichte der Insel entgehen. Das Besondere ist die Natur der Insel mit ihrer reichen Flora und Fauna. Wir besuchen ein Wikingerdorf, ein Märchenwald und viele andere Sehenswürdigkeiten.
Nach 4 Tagen geht es weiter ,1 Tag Lickershamn und am 28.07 zur der historischen Stadt Visby. Am 29.07 geht es mit gerefften Segel und raumen starken Wind nach Byxelkrok bei Sauwetter. Hier verabschieden sich Ilse und Hermann mit ihrer Najad und nehmen Kurs Richtung Burgtiefe. Wir segeln mit vielen Stops durch den Kalmasund über Bornholm zum Seeseglertreffen nach Saßnitz
Im Räucherschiff MS Manfred geht es mit vielen Clubkameraden dichtgedrängt bei guter Laune hoch her bis tief in die Nacht . Wir laufen noch einige Häfen auf Rügen an ,treffen Clubkameraden die hier mit Ihren Yachten unterwegs sind und verbringen zusammen noch einige schöne Tage .
Nun wird es Zeit ,die phantastische Seereise geht zu Ende ,wir segeln über Kröslin durch die Peene über Stettin nach Marina Marco und laufen am 29.08 nach 3 Monaten und 2108 Seemeilen wohlbehalten und ohne Schaden an Schiff und Crew in Berlin ein .