Unsere Seereise 2001, Ein Bericht von Manfred Kujath

Wir segeln mit raumen Wind an der Küste der Camarque, nachdem wir den Überführungstörn "innendurch" hinter uns gebracht hatten bis Port Gardian. Port Gardian ist ein Fischerei und Yachthafen bei Saintes-Maries-de-la-Mar am Rande des Nationalparks der Camarque, ca. 1 sm östlich der Mündung der Petit-Rhone.
Es geht weiter der Küste entlang, im gefürchteten Golfe du Lion, vorbei an Riesen-Marinas, Port Camaque mit 4500 Liegeplätzen und Grand Motte mit 1400 Liegeplätzen nach Garnon, der hat nur 700 Liegeplätze.Einer der großen Touristenorte, an der Mündung des Kanals de Carnon, der den Canal du Rhone mit Sete' und der See verbindet.
Seté ist ein geschäftiger Handels, Fischerei und Yachthafen.Trotz schöner Altstadt nicht sehr einladend. Wir segeln immer noch mit raumen Winden nach Capo de Agde. Le Cape de Agde ist ein riesiger, künstlich angelegter Yachthafen, am Fuße des Monte de Agde mit 2200 Liegeplätzen.
Weiter gehts mit lauen Winden und 30 Grad nach Gruissan, jetzt kommt unsere Decksdusche täglich mehrmals zum Einsatz. Der Golfe du Lion zeigt sich von der guten Seite. Bei schwacher Raumschotbrise geht es nach Port Vondres, schon von weitem gut sichtbar die Festung Fort du Fanal. Ein beschaulicher Ort mit schönem Hinterland.
Vorbei geht es an Cap Bear ,Banyuls-Sur-Mer, einem beliebter Touristenort mit sehr schöner Altstadt, mit vielen Darbietungen von Künstlern aus aller Weit. Nach umlaufenden Winden und schwacher Fahrt werfen wir Anker in der ersten spanischen Bucht Port Lligat. Einfach traumhaft, hier lebte Dali, sein Anwesen ist eine Touristenattraktion. Cadaques und Port Lligat sind eng verbunden mit dem Namen des katalanischen Künstlers. Das Anwesen, daß sich durch die riesigen Eier auf den Gartenmauern deutlich von den anderen Häusern unterscheidet, ist ein schönes Beispiel für die Gestaltungsweise des Surrealisten Dali. Er bildete alle Dinge äußerst wirklichsgetreu ab, doch kombinierte er sie in einer Form, wie sie in der Natur nicht vorkommt. Wir laufen 2 km über den Berg nach Cadaques. In dieser reizenden Stadt finden wir auch das richtige lauschige Restaurant für ein gemütliches Abendessen. Das Denkmal Dali's mitten in der Stadt ist nicht zu übersehen. Wir wollten eigentlich hier für ein paar Tage vor Anker liegen, aber es kommt anders.
Der Löwe ist aufgewacht, Fallwinde schießen von EI Peni, der Steilküste mit 45 bis 60 kn Wind durch die Ankerbucht. Ein schnelles Erwachen um 4 Uhr in der Früh verhindert das Schlimmste. Ca 5o Yachten liegen hier vor Anker und fangen fast alle an zu treiben, der Ankergrund ist miserabel. Mit 50 mtr. Kette liegen wir auf 4 mtr. Wassertiefe, aber es nichts zu machen, wir müssen ankerauf. Zu allem Überfluß rutscht das Getriebe, also Motor ohne Resonanz und das in Legerwall. Wir segeln uns frei mit stark gereffter Fock, ohne Groß bei 8 -9 Bf. Das klingt einfach, war aber ein Schinderei mit kleinster Mannschaft, Inge und ich. Wir segeln mit 4 qm Vorsegel um die Halbinsel von Cadaques und kommen in die Abdeckung.
Der mächtige Seegang ist fast weg. Dicht unter Land probiere ich mit dem Motor, mal packt das Getriebe mal nicht. Vor uns kommt Ampuriabrava in Sicht. Wir mogeln uns mit Unsicherheit zu einem Liegeplatz. Hier wollte ich eigentlich die Getriebereparatur erledigen! Aber bei 5000 Liegeplätzen, alle Schiffe müssen an den Gastliegeplätzen vorbei, dem unzähligen Gewirr von Kanälen in der künstlichen Marina mit vielen Appartmenthäusern und viel Lärm, Schwell und Dieselgeruch bei 35 Grad geben uns den Rest.
Wir flüchten ohne Reparatur am nächsten Tag nach EI-Eslartit. Der reizende Hafen liegt westlich der Insel Medas, am Fusse einer imposanten Felswand. Im 2. Weltkrieg befand sich hier eine getarnte Nachschubbasis für deutsche U-Boote. Vor dem Hafen passiert man die steilen Abhänge der Costa del la Mort, so wird die Passage von je her genannt, wegen der Unzahl von Schiffen, die hier im Sturm zerschellten. In der Tat kann sich bei starkem Wind im Golf du Lion eine stelle See bilden. Nach der Passage dieses Küstenabschnitts steht man vor den wüstenhaft wirkenden Medasinseln. Sie sind ein uralter Piratenschlupfwinkel. Heute am 5. 8. 2001 bei NO 4-5Bf endet hier die Costa Brava.
Wir machen in Blanes fest. Schon von weitem kann man die Burg St. Joan ausmachen. Eine wichtige Landmarke. Liegemöglichkeiten sind sehr begrenzt, in der Saison unmöglich. Wir segeln daher weiter bei lauem Wind entlang der Costa Dorada nach Barcelona. Schon aus der Ferne ist die Stadt auszumachen, z.B. die wolkenkratzerähnlichen Gebäude mitten im Zentrum der Stadt. Hier liegt auch das Olympiagelände mit dem neuen Olympiahafen. wir segeln aber vorbei, und machen in Port Vell fest, am äußersten Nordende des großen Hafens . In der Nähe der Altstadt für 10 Tage.
Barcelona ist eine Weltstadt von Format. Keine Stadt an der spanischen Mitelmeerküste bietet so zahlreiche Sehenswürdigkeiten. Z.B. die ehemalige königliche Schiffswerft. In den mächtigen gotischen Hallen konnten 30 Galeeren gleichzeitig gezimmert werden. 1378 begann man mit dem Bau des Schiffsarsenals. Hier wurde die Flotte gebaut, die die Handelsmacht des mittelalterlichen Kataloniens aufbauten und sicherten. Unmittelbar in der Nähe steht das Columbusdenkmal, hier beginnt auch die berühmte Ramblas, eine der prächtigsten Flanierstrassen Europas. Nördlich der Ramblas steht das gotische Viertel, hier findet man noch Reste aus einer noch älteren Stadt aus der Römer-zeit. Es war die Blütezeit Barcelonas, die damals Hauptstadt des Königreiches Aragon und in dieser Zeit bedeutendste Handelsmetropole im westlichen Mittelmeerraum war.
Viele haben diese Stadt geprägt, Künstler wie Joan Miro, Dali, Picasso,ganz besonders der Architekt Antonio Gaudi. Seine Schöpfungen zählen zu den phantasiereichsten Gebäuden, überhaupt wohl das berühmteste ist die unvollendet gebliebene Kirche der hl. Familia . In deren Krypta sich das Grab Gaudi's befindet. Nach beeindruckenden 10 Tagen Barcelonas, ein neues Getriebe für 4000,-- DM , 600,-- DM Hafengeld und 1000,-- DM Taschengeld verlassen wir Barcelona.
Nach dieser Erleichterung nehmen wir Kurs Richtung Balearen , nach Port Soller auf Mallorca. Bei SW 3-4 Bf fällt nach 20 Std. morgens um 8 Uhr am 17. 8. 2001 der Anker in dem kristallklaren Wasser. Wir liegen hier mit ca. 40 Yachten aus aller Welt für 3 Tage inmitten der hohen Gebirgskette. Der höchste Gipfel in der Bucht ist der 1445 mtr erhebende Puik Mayor.
Am 22. 8. 2001 gehts bei Flaute an der Insel Dragomera vorbei zu der wunderschönen Ankerbucht St. Telmo. Nach kurzem Stop für 2 Tage gehts weiter nach Porto Andraix, Santa Ponsa und der Ankerbucht Port Vells. In diesen schönen Ankerbuchten vergehen die Tage wie im Fluge.
Weiter gehts nach Arenal. Inge war nun bereits 10 Wochen an Bord und fliegt am 28. 8. 2001 nach Berlin. Ich erwarte am 28. 8. 2001 eine neue 2 Mann Crew. Bei starkem SO, gerefft, gehts nach Ibiza, St. Aulalia, weiter nach Formentera. Nach vielen Inseln und Inselchen segeln wir die schmale Durchfahrt zwischen Ibiza und Formentera entlang, die NOKüste ist niedrig , sandig und felsig. An der SW-Seite der Insel Espalmador liegt einer der Traumstrände der Insel. Am Tage liegen hier die Megayachten von Ibiza vor Anker, manchmal 200 bis 300 Yachten. Die Imbissstände am Strand haben Preise wie im 5 Sterne-Hotel, aber eine Superathmosphäre.
Nach 2 Tagen in dieser traumhaften Natur, geht es wieder zum Festland an die Costa Brava nach Moraira. Bei nördlichen Winden 6-7Bf. gerefft mit einer Superrauschefahrt legen wir nach 10 Std. und 72sm an. Weiter geht es nach Calpe, diesen Hafen zu verfehlen ist unmöglich, es liegt ein Felsklotz von 328 mtr. Höhe vor dem Hafen, der von fern wie der Felsen von Gibralter wirkt. Calpe besitzt eine große Fischereiflotte mit der dazu gehörigen Versteigerung. Das Fischangebot ist wohl das größte im gesamten Mittelmeerraum.
Nach 3 Tagen Calpe, wegen schlechtem Wetter und Gewitter mit Starkwind fahren wir nach Alicante. Auf halber Strecke kommt Benidorm in Sicht mit den gigantisch anmutenden Hochäusern. Wir aber fahren weiter bei Rauschefahrt und Ostwind Richtung Alicante an der Küste entlang. Im Hintergrund erhebt sich die mächtige Sierra de Front Calent. Die Festungsanlage , Castillo de St. Barbara , oberhalb des Yachthafens Alicante, beherrbergte ein Militärlager der Römer. Wir liegen hier in diesem pompösen Yachthafen, umgeben von Restaurants Butiken und vielen anderen Geschäften, mit einer breiten Flanierstrasse mit viel Lärm. Über diese antike Stadt gibt es soviel Interessantes zu berichten, es würde Bücher füllen.
Wir fahren nun zurück über EI Cappella nach Javea an der Costa del Azahar. Der Mt. Mongo ist eine gute Ansteuerungshilfe oberhalb des Hafen, auf Höhe der Berge stehen 12 Windmühlenrümpfe. Das Wahrzeichen von Javea. Am 21. 9. 2001 weht der richtige Wind, der Mistral. Wir nehmen Kurs auf Formentera, hier wollen wir im Hafen Sabina überwintern . Nach knapp 4 Monaten geht es 23. 9. 2001 per Flug nach Hause. Hier endet eine nicht alltägliche Reise, zunächst über Land von Berlin zum Mittelmeer und eine ebenso nicht alltägliche Segelreise Insgesamt wurden 2165 sm zurückgelegt. Davon 1274 sm unter Maschine und 891 sm unter Segeln.
Und schon jetzt wird schon wieder für die nächste Saison geplant. Manfred Kujath